Liebe Lesende,
diese Woche werden überall in Bayern fleißig Hefte gekauft und Bleistifte gespitzt, denn am Dienstag beginnt das neue Schuljahr. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich als Kind diesem Tag entgegengeblickt habe – mit einer Mischung aus Vorfreude und Wehmut über das Ferienende. Doch noch bevor die Glocke zum Unterricht läutet, ist schon das erste Zeugnis geschrieben. Das richtet sich allerdings nicht an die Schülerinnen und Schüler, sondern an unser Bildungssystem. Und es fällt ziemlich ernüchternd aus: Rund einem Drittel der 15-Jährigen fehlen laut aktueller PISA-Studie grundlegende Kompetenzen beim Lesen und beim Lösen von Mathe-Aufgaben.
Wichtig ist mir: Das ist keine Kritik an unseren Kindern, sondern ein Weckruf an die Bildungspolitik. Der Bildungserfolg hängt viel zu stark davon ab, in welche Familie ein Kind hineingeboren wird. Ich bin überzeugt, dass Schule ein Ort ist, an dem soziale Unterschiede ausgeglichen, nicht verstärkt werden sollten.
Eine entscheidende Rolle spielen dabei die Lehkräfte. Doch während die Zahlen der Schülerinnen und Schüler steigen, hat die Staatsregierung entschieden, dass dieses Jahr keine zusätzlichen Lehrkräfte eingestellt werden sollen. Gleichzeitig entscheiden sich immer weniger Menschen für ein Lehramtsstudium, und mehr als 40 Prozent brechen es vorzeitig ab. Dadurch werden uns in den nächsten Jahren wohl über 2.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen. So darf es nicht weitergehen.
Deshalb wollen wir die Lehrkräfteausbildung modernisieren. Mehr Praxis im Studium, ein System von Bachelor und Master statt Erstem Staatsexamen, ein faireres Referendariat und Inhalte, die zum Schulalltag von heute passen. Die Staatsregierung weiß längst, dass eine Reform nötig ist – also worauf wartet sie? Der Schuljahresbeginn ist immer auch ein Neuanfang. Nutzen wir ihn für eine Schule, die unsere Kinder auf morgen vorbereitet, statt an den Strukturen von gestern festzuhalten.
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